Wirtschaftsasylant

Jawohl, das bin ich. Ich lebe in Stuttgart, weil es nicht anders ging/geht. Nicht freiwillig. Weil ich muss, bis ich eine bessere Alternative im Westen gefunden habe. Nämlich in meiner Heimat. Also bin ich Asylant – Wirtschaftsasylant. Ich arbeite hier unter Protest, denn auch nach 25 (!) Jahren komme ich mit 99 % der Schwaben einfach nicht klar (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, es gibt auch Idioten im Rheinland). Erst dachte ich, es läge an mir – aber nachdem auch der Sü߸er (immerhin nach 6 Jahren), meine Eltern und mein Onkel die selben Probleme mit der schwäbischen Mentalität (sprich Herzlosigkeit, Oberflächlichkeit um nur zwei Beispiele zu nennen) nicht warm werden, ist es wohl doch eher etwas anderes. Beispiele gibt es genügend. Man geht hier zum Beispiel in eine Kneipe, alle Tische sind mit jeweils einer Person pro 4-Platz-Tisch belegt: Ein Schwabe stellt entrüstet fest: “Alles voll, ich schau mich nach einem anderen Laden um!” Der Rheinländer – sprich ich – reagiert folgendermaßen: Ich schaue mich nach dem Tisch um, wo Zigaretten liegen (ja, ich nehme Rücksicht auf Nichtraucher), gehe hin und frage, ob wohl noch ein Platz frei wäre. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Von entrüsteter Sprachlosigkeit, wo man förmlich die Gedanken des Gastes lesen kann (“wie kann sie nur”) bis hin zu: “Klar, logisch, wieso nicht!” (in diesem Fall handelt es sich übrigens nicht um einen Schwaben).

Ein ganz übles Beispiel, dass mich persönlich am meisten trifft ist die Tatsache, dass ich jetzt, seit dem wir hier in Baden-Württemberg wohnen – und das von Beginn an im selben Dorf und der selben Straße, noch immer nicht von den Nachbarn in den anderen Häusern gegrü߸t werde. Es ist nicht so, dass ich unbedingt wert darauf legen würde, aber ist es nicht seltsam, dass wenn man einem bekannten Gesicht freundlich einen “Guten Morgen” wünscht, man keinerlei Echo bekommt? Manche sind so schlimm, dass sie überall hingucken und sogar die Straße wechseln, nur um ja keinen Blickkontakt zu haben.

Liegt das an mir? Ich denke nicht, denn diese Probleme habe ich in keinem der anderen Bundesländer, die ich bisher besucht habe gehabt. Grund genug, mich als Wirtschaftsasylant zu outen. Und ja, liebe Schwaben, sobald sich die Job-Lage im Westen geändert hat, bin ich weg hier. Versprochen! Und weil es mich so stolz macht, mich nicht klein kriegen zu lassen, hab ich auch extra einen Button gebastelt, nämlich den hier: wirtschaftsasylant.png
Bei Bedarf einfach speichern, benutzen und evtl. verlinken.

Category: Allgemein
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3 Responses
  1. Micha sagt:

    Huhuuu Carmen,

    ich bin ein Schwabe und ich muss dir im Großen und Ganzen leider zustimmen. Aber nicht alle hier sind solche Eigenbrödler, die nicht einmal Grü߸en, aber dann letztlich doch alles über dich wissen…bzw. schon am Tag deines Einzuges über dich wussten *g*. Und es gibt durchaus auch Schwaben, die mit “diesen Schwaben” so ihre Schwierigkeiten haben…ich gehöre dazu. Ich wünsche dir jedenfalls, dass dir in der Zeit, in der du noch hier wohnst, auch mal die andere Sorte begegnet. :-)

    LG
    Micha

  2. Carmen sagt:

    Klar, Micha, die Ausnahmen bestätigen die Regel – alle wollte ich nun wirklich nicht über einen Kamm scheren ;)

  3. Markus sagt:

    Tja so sind sie halt die Schwaben ;) Schaffe Schaffe Häusle Bauen. Zum Glück ist das in Baden nicht so ;)

    Grüßle aus Villingen ;)

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